Rufe nach gesetzgeberischen Maßnahmen zur Zuckerreduktion

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Foto: Süßigkeiten (über dts Nachrichtenagentur)
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Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Mehrere Gesundheitsverbände fordern gesetzgeberische Maßnahmen zur Zuckerreduktion. Die Zwischenergebnisse der nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten seien deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, teilte der AOK-Bundesverband am Dienstag mit. Gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sowie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) fordere man deshalb wirkungsvollere Maßnahmen von der Bundesregierung.

Man wolle den hohen Zuckerkonsum in Deutschland in den Griff zu bekommen. Es herrsche vor allem Konsens darüber, dass der vom Ernährungsministerium bisher favorisierte Kurs freiwilliger Vereinbarungen mit Industrie und Handel nicht mehr ausreiche. „Wenn wir die gesundheitlich bedenklich hohen Zuckerzusätze senken wollen, kommen wir mit Appellen nicht mehr weiter“, sagte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

Seit Langem fordere man schon ein Werbeverbot für ungesunde Kinderlebensmittel. „Jetzt braucht es weitere verbindliche Instrumente. Eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke würde das leisten.“

Dies ist auch eine Forderung aus der Ärzteschaft: „Kinder und Jugendliche trinken im Durchschnitt bis zu einem halben Liter zuckergesüßte Erfrischungsgetränke pro Tag. Im Europavergleich liegt Deutschland damit auf dem dritten Platz“, sagte Sigrid Peter, Vizepräsidentin des BVKJ. Das sei „erschreckend“, vor allem wenn man die gesundheitlichen Folgen sehe, mit denen die Pädiater tagtäglich in den Praxen konfrontiert seien. Peter sprach sich ebenfalls für eine Herstellerabgabe aus und äußerte dabei konkrete Vorschläge für die Verwendung der Mittel.

„Die durch eine Steuer generierten Einnahmen könnten zweckgebunden beispielsweise in den Schulsport oder in eine gesunde Gemeinschaftsverpflegung in Kitas und Schulen investiert werden“, so Peter. Die Gesetzgebungskompetenz hierfür liege beim Bund. Mit der nationalen Reduktionsstrategie will die Bundesregierung über freiwillige Vereinbarungen der Lebensmittelindustrie eine allmähliche Senkung des Gehaltes an Zucker, Fetten und Salz in vielen Fertiggerichten bis 2025 erreichen. DDG-Präsidentin Monika Kellerer ist von den ihrer Meinung nach bisher ungenügenden Ergebnissen wenig überrascht: „Es wird deutlich, dass die freiwilligen Verpflichtungen der Lebensmittelindustrie leider unzureichend sind, um eine messbare und zielführende Zuckerreduktion zu erreichen.“ Diese Befürchtung habe man bereits zu Beginn des Prozesses vor zwei Jahren geäußert. „Leider wurden unsere Kritikpunkte seinerzeit nicht ernst genommen. Nun haben sie sich mehr als bestätigt.“ In der Diskussion um mögliche Steuermodelle verwies die DDG-Präsidentin auf Positivbeispiele anderer Länder: „Großbritannien hat eindrucksvoll bewiesen, welche Erfolge man gerade bei Softdrinks mit steuerlichen Anreizen erreichen kann.“ Im Rahmen der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie in Deutschland wurde der Zuckergehalt bei regulären Limonaden durchschnittlich nur um 0,16 Gramm von 9,08 Gramm Zucker pro 100 Milliliter auf lediglich 8,92 Gramm gesenkt. Ähnlich sah es bei Cola- und Colamix-Getränken aus. AOK-Vorstand Litsch kritisierte: „Wir sprechen hier in der Breite über Reduktionen im homöopathischen Bereich. Erforderlich ist eine Senkung um mehrere Gramm, nicht Milligramm.“ AOK, BVKJ und DDG sprachen sich weiterhin für ein gesetzlich verankertes Werbeverbot für überzuckerte und hochkalorische Kinderlebensmittel aus. „Es ist höchste Zeit, dass Eltern und Kinder nicht mehr auf die Werbelockrufe der Industrie für ungesunde Lebensmittel hereinfallen“, sagte Litsch.