Mythen und Fakten rund um die Schwangerschaft

0
3793
Close-up of a pregnant mother, with hands holding tummy

Was tut einer werdenden Mutter gut? Bei dieser Frage klafft eine Lücke zwischen Volksmeinung und Wissenschaft. Ein Experte klärt auf.

Sie ist zur Zeit wohl die berühmteste Schwangere: Herzogin Kate, die Frau des britischen Prinzen William, erwartet im April ihr drittes Kind. In den vergangenen Monaten wurde viel über ihre Schwangerschafts-Übelkeit berichtet. Damit ist sie nicht allein, Frauen in anderen Umständen sind mit vielen Veränderungen konfrontiert. Traditionell bekommen Schwangere viele Tipps – nicht alles, was da empfohlen wird, ist die Wahrheit. Über Mythen und Legenden klärt Primar Thomas Puchner, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Schärding, auf:

In der Schwangerschaft muss für zwei gegessen werden.

Stimmt nicht. Die richtige Kohlenhydratzufuhr, die für die Gewichtszunahme einer schwangeren Frau hauptverantwortlich ist, richtet sich nach dem Gewicht vor einer Schwangerschaft. Je höher der Body-Mass-Index einer nichtschwangeren Frau ist, desto weniger sollte sie an Gewicht zunehmen – und keinesfalls sollte sie für zwei essen.

Alle Schwangeren haben seltsame Gelüste.

In der frühen Schwangerschaft passt sich der Körper an die neuen Bedingungen an. Dies bezieht sich auf Kreislaufverhältnisse, Gerüche und Geschmäcker sowie auch auf den Blutdruck und vieles mehr. Seltsame Gelüste sind da ganz normal.

Schwangerschaftsstreifen können durch Massagen verhindert werden.

Eine wirkungsvolle Methoden, Schwangerschaftsstreifen zu verhindern, gibt es leider nicht, wenngleich dies optisch für manche Frauen extrem störend sein kann.

Die Schwangere muss sich schonen.

Diese Aussage ist prinzipiell falsch. Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Moderate Bewegung sollte unbedingt auf der Tagesordnung stehen. Besonders geeignet sind Sportarten wie Yoga, Schwimmen oder sanfte Gymnastik. Auf diese Art wird Schwangerschaftsdiabetes vorgebeugt. Zudem verbessert sich das Wohlbefinden und die Haltung der Schwangeren. Außerdem wird eine übermäßige Gewichtszunahme vermieden. Und: Sport stärkt auch das Immunsystem.

In der Schwangerschaft müssen Vitamine und Mineralstoffe genommen werden.

Sinnvoll ist auf jeden Fall die Einnahme von Folsäure – und zwar bereits zum Zeitpunkt der Befruchtung. Dadurch können kindliche Fehlbildungen verhindert werden. Alle anderen angebotenen zusätzlichen Vitamine und Nährstoffe seien medizinisch nicht notwendig, sondern würden nur viel Geld kosten

Kaffee schadet in der Schwangerschaft.

Koffein ist weder Gift noch Suchtgift, wenn es in normalen Maßen zu sich genommen wird. Somit schaden in der Schwangerschaft zwei Tassen Kaffee oder zwei Espressi am Tag nicht.

Schwangere dürfen keine Katzen mehr streicheln.

Toxoplasmose, die über Katzenkot und Berührung direkt übertragen werden kann, ist eine absolut ernstzunehmende Erkrankung in der Schwangerschaft, die zu Schäden beim Kind führen kann. Zudem kann die Krankheit auch durch den Verzehr von rohem Rindfleisch übertragen werden. Toxoplasmose kann in der Schwangerschaft zwar erfolgreich behandelt werden. Schwangere Frauen, die noch nie eine Toxoplasmose hatten, sollten den Kontakt zu Katzen und rohes Fleisch jedoch unbedingt meiden.